Nein. Weder kauft SAP Google noch umgekehrt, keine Sorge. Die plakativ gewählte Überschrift soll vielmehr meine Prognose umschreiben, dass sich Suche in der bevorstehenden Zeit zur zentralen Unternehmensfunktion entwickeln wird. Ich sehe hierfür zehn zentrale Gründe, wobei ich diese Liste keineswegs als abschließend betrachte (und die Zahl zehn nicht programmatisch gewählt wurde, sondern sich wirklich nur zufällig ergab):
#1 Die sintflutartig ansteigende Datenmenge
Wie der Bericht von IDC eindrucksvoll darstellt, wird sich die schiere Menge an digitalen Informationen bis 2010 versechsfachen. Das bedeutet in der Konsequenz, dass wir uns mit einer noch nie da gewesenen Fülle an Informationen konfrontiert sehen bzw. sehen werden. Diese Menge an Daten erfordert neue Werkzeuge, um die Informationen zugänglich zu machen. Das Internet zeigt uns, wie es geht: Mit Suchmaschinen.
#2 Die Tatsache, dass 80% der Daten unstrukturiert sind
Der Traum eines jeden Menschen ist es, Daten geordnet in Datenbanken abzulegen. Dieser Traum ist ausgeträumt. 80% der Informationen, mit denen wir heute schon zu tun haben, sind unstrukturiert und einer Speicherung in Datenbanken nicht (jedenfalls nicht sinnvoll) zugänglich. Statt dessen werden diese Informationen automatisiert indexiert und dem Benutzer im Wege der Volltextsuche erschlossen.
#3 Der nicht zu rechtfertigende Zeitaufwand, den die Veredelung von Daten verursacht
Selbst wenn die Daten (entgegen dem Statement zu #2) in Datenbanken abgelegt werden könnten, wäre das eine durch nichts zu rechtfertigende Zeitverschwendung, die den Prozess der Informationsgewinnung drastisch verteuern würde. Die manuelle Veredelung von Daten kostet Zeit, die automatisierte Indexierung der Daten hingegen nicht.
#4 Die Schnelllebigkeit von informationsbezogenen Prozessen
Informationen werden von Unternehmen heutzutage nicht mehr gesammelt, um in ferner Zukunft zum Einsatz zu gelangen. Auch informationsbezogene Prozesse sind heute mehr denn je „just in time“. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ich eine Information heute oftmals sofort benötige und nicht auf deren Veredelung warten kann.
#5 Das hohe Maß an „Informationsdynamik“
Informationen, die heute gesammelt werden, sind bald schon wieder inaktuell. Die Halbwertszeit von Informationen sinkt rapide. Wenn Informationen aber möglicherweise morgen schon wieder überholt sind, macht es gar keinen Sinn mehr, diese Informationen heute manuell zu veredeln.
#6 Die zunehmende Vermischung „guter“ und „schlechter“ Informationen
Nicht nur die Halbwertszeit von Informationen sinkt, sondern auch ihre Qualität und Bedeutung. Ich persönlich würde schätzen, dass 80% der weltweit gespeicherten Informationen völlig sinn- und wertlos sind. Die Frage, welche 80% das sind, sollte uns nicht beschäftigen. Das täte sie aber dann, wenn ich die gespeicherten Informationen danach unterscheiden müsste, was mir Dank preiswerter Speichermedien erspart bleibt. Informationen werden aufgehoben. Wenn ich sie künftig einmal brauchen sollte, ist es gut. Andernfalls auch.
#7 Die Dezentralisierung (Mobilisierung, Sozialisierung) von Informationen
Heute hat das älteste Mobiltelefon die Speicherkapazität ganzer Rechenzentren vergangener Jahrzehnte. Spätestens mit der universellen Verfügbarkeit mobiler Speichermedien (Handies, Notebooks, USB-Sticks, PDAs) war der Traum eines jeden ordentlichen IT-Verantwortlichen von der zentralen und redundanzfreien Speicherung von Unternehmensinformationen beendet. Unternehmensdaten stecken heute – bildlich gesprochen – in jeder Hosentasche, sind auf Reisen oder entstehen am Heimarbeitsplatz. IT-Leiter können heute von Glück reden, wenn diese Daten früher oder später physikalisch überhaupt in das Firmennetzwerk gelangen. Eine geordnete Übergabe der Daten im Sinne des Einstellens der Informationen in Datenbanken dürfte heute jedoch nur mehr im Ausnahmefall erfolgen.
#8 Der hohe Stellenwert der Information im Wertschöpfungsprozess
Der legerer gewordene Umgang mit digitalen Informationen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die digital verfügbare Information heute mehr als noch im vergangenen Jahrzehnt zentraler Bestandteil von Wertschöpfungsprozessen geworden ist. Noch nie waren die Sätze vom Wissen, das Macht ist, oder der Information, die man nicht in Gold aufwiegen kann, wahrer als heute. Der Wert einer Information steht und fällt aber mit deren zuverlässiger Zugänglichmachung – und zwar genau dann, wenn ich sie brauche. Auch das spricht für Suchtechnologie.
#9 Die zunehmende Bedeutung nichtproprietärer Informationen
Die heile Unternehmenswelt sah früher eine weitgehende Abschottung der unternehmenseigenen Daten von den Daten der großen, weiten Welt vor. Jeden Tag wird die Grenzziehung zwischen den Unternehmensdaten und der „Welt da draußen“ schwieriger. Der Siegeszug des Internets fordert seinen Tribut, leistet aber wertvolle Beiträge zur Wertschöpfung, auf die heute niemand mehr verzichten kann. Gute Informationsbeschaffung berücksichtigt alle relevanten Quellen, seien es die firmeneigenen Informationsserver, sei es das Internet. Das aber geht nur mit Suchtechnologie.
#10 Die bequeme Arbeit mit Suchtechnologie
Suchmaschinen sind einfach zu bedienen und liefern schnell Ergebnisse. Ihre Bedienung erfordert in der Regel kein Expertenwissen und auch keine Kenntnis vom Speicherort und etwaigen Ontologien und Schlagwortkatalogen, anhand derer früher Informationen in Datenbanken eingepflegt wurden. Suchmaschinen sind im hohen Maße fehlertolerant und gestatten auch die näherungsweise Suche und vielfach eben auch wertvolle Zufallsfunde. Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Menschen, die je das Internet genutzt haben, sich die Bedienung einer Suchmaschine zutraut.