Wenn über Google gelästert wird, spricht man gerne von der drohenden Allmacht der Unternehmens und der Monokultur, die uns Google bescheren könnte. Ich tue das auch gerne und nutze Google dennoch sehr häufig.
Ja, es gibt gute Alternativen, über die wir hier auch schon ausführlich gesprochen haben. Ask.com z.B. oder Seekport, um auch einmal ein Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum zu erwähnen. Und dennoch: Bei der Suche im Web geht es uns doch vielfach so wie dem Pawlowschen Hund, dem immer dann der Speichel lief, wenn das Glöckchen klingelte. Wir haben in den letzten Jahren eine Extremkonditionierung erfahren, die uns besagt, dass Google und Suchen synonym verwendbare Begriffe seien.
Woran liegt das? Ist Google wirklich so gut oder ist der Wettbewerb so schlecht? Vermutlich ist es eine Mischung beider Komponenten. Google ist einfach verdammt gut. Über Yahoo erschien vor kurzem bei Wired ein langer Artikel, der sich mit den Gründen beschäftigt, warum Yahoo das Rennen gegen Google verloren hat. Search Engine Roundtable hat sich erst gestern mit MSNs Live.com auseinandergesetzt und gelangt zu der Feststellung, dass MSN komplett versagt habe. Eine Feststellung, die ich für zutreffend erachte.
Was gibt es noch auf dem Markt? Wo sind die Herausforderer? Die französische Exalead ist als Google-Monster angetreten und hat neben viel Geld, das das Unternehmen erhalten hat, auch noch den strategischen Vorteil, dass Exalead beim französischen Staatsvorhaben Quaero eine Rolle spielen darf. Die Kritiken an den Suchmaschinenergebnissen sind nicht besonders positiv und manchmal auch sehr negativ. Das Stereophone-Blog spricht gar davon, dass Exalead nichts als “Keyword-Spam” liefere.
Fast Search & Transfer, eigentlich nicht im Markt für Internetsuche zu Hause, hat gestern ein Produkt gelauncht, das AdMomentum heisst und eine Alternative zu Google’s AdSense-Partnerprogramm darstellen soll. Damit fordert Fast Search Google zwar heraus, aber lediglich hinsichtlich der Vermarktung, nicht hingegen bei der Suche im Web selbst.
Airfind, ein kleines spanisches Unternehmen, macht sich unterdessen daran, die Sortierreihenfolge der Suchmaschinenergebnisse durch ihre Benutzer vornehmen zu lassen. Airfind ist eine Metawebsuchmaschine und gegenwärtig noch im Betastadium. Für den Test von Airfind müssen sie sich bewerben. Der Benutzer kann Webseiten positiv oder negativ bewerten, Seiten als Spam kennzeichnen und Webseiten mit Tags versehen. Er kann bei der Ansicht der Suchergebnisse zwischen seiner individuellen und der öffentlichen Ansicht wählen. Zudem werden seine Bewertungen gespeichert und der Benutzer erhält auf diese Weise eine Art Favoritenliste betreffend seine Suchen im Internet.
“You are the algorithm” ist damit sicher ein interessanter Ansatz, da hierdurch die menschliche Bewertung die Sortierung beeinflusst und nicht mehr überwiegend von der Anzahl der Links abhängig macht, die auf eine Seite zeigen, wie das beim Page Rank der Fall ist. Die Frage, warum sich die Benutzer von Airfind die Mühe machen sollen, Bewertungen vorzunehmen, ist damit aber noch nicht geklärt. Ein Algorithmus, der überwiegend von menschlicher Bewertung abhängt, setzt die Dynamisierung der Massen und damit eine Motivierung eines jeden einzelnen Nutzers voraus. Nur, weil es Spass macht, wird der Benutzer beim Aufbau des Systems mutmasslich nicht lange mitwirken, auch wenn Web 2.0 gerade populär ist. Gleichwohl könnte Airfind in die richtige Richtung zeigen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmals an Tom Alby für den Hinweis auf Airfind und die Einladung zum Betatest.
In eine ähnliche Richtung weisen auch die Bemühungen von Jimbo Wales, dem Wikipedia-Gründer, der Ende 2006 angekündigt hat, die Suche im Web revolutionieren zu wollen: “So wie die Wikipedia unser Denken über Wissen und Enzyklopädien revolutioniert hat, haben wir nunmehr die Chance, unser Denken bezüglich der Suche nach Informationen zu revolutionieren.” Wie genau das geschehen soll, werden wir sicher bald erfahren, aber Wikipedia ist als Kraft im Web jedenfalls nicht zu unterschätzen.