Die ungebrochene Dominanz der Suchmaschine Google ist eine ständige Herausforderung für Startups. Noch nie war ein Hightech-Unternehmen in so kurzer Zeit so erfolgreich wie Google. Zugleich war es aber auch noch nie so einfach, die unangefochtene Nummer 1 vom Thron zu stürzen, da zwischen Google und ihren Nutzern keine intensive Bindung besteht, sieht man einmal von der Macht der Gewohnheit ab. Dies liegt daran, dass die Kunden Nutzer von Google jederzeit ohne jeglichen Aufwand und ohne Kosten zu einer beliebigen anderen Suchmaschine wechseln könnten. John Battelle weist in einem Nebensatz darauf hin, dass bereits der geringste Nutzungsvorteil, den eine andere Suchmaschine zukünftig bieten könnte, bei Google erdrutschartige Verluste verursachen könnte. Das motiviert Startups und natürlich auch die Venture Capital Szene, denn mit dem Thema “Suche” ist viel Geld verbunden.
Und so beginnt das Jahr 2007 mit Spekulationen darüber, welches Unternehmen aus dem Suchmaschinenmarkt für Google eine ernsthafte Bedrohung werden könnte. Die New York Times widmet diesem Thema einen Artikel mit der Überschrift “Looking for the next Google” und stellt in dem Artikel eine Reihe neuer Herausforderer vor, die zum Teil auch neue konzeptionelle Ansätze verfolgen.
Powerset ist einer der jüngsten Herausforderer und bekam jüngst USD 12,5 Mio. für den Kampf gegen Google. Leider ist Powerset noch nicht online, daher kann man nicht abschätzen, wie gut oder schlecht die Suchmaschine arbeitet. Dem Vernehmen nach setzt Powerset aber auf eine neue Art, Suchanfragen einzugeben. Anders als bei Google, MSN, Yahoo oder Ask.com, sollen die Suchanfragen bei Powerset als in vollständigen Sätzen formulierte Fragen eingegeben werden können.
Ganz so neu ist dieser Ansatz freilich nicht. Hakia, ein anderes junges Unternehmen auf der Jagd nach Google (finanziert mit USD 16 Mio.) verfährt ebenfalls nach diesem Ansatz und lässt ihre Nutzer die Suchanfragen optional in vollständigen Sätzen eingeben. Die Qualität der Ergebnisse ist überraschend gut. Hakia hat zumindest technologisch das Potenzial, zu einem bedeutsamen Spieler in der Suchmaschinenszene zu werden.
Ebenfalls mit USD 16 Mio. finanziert ist Snap, eine Suchmaschine, deren Vorzug darin bestehen soll, dass der Benutzer in den Suchergebnissen nicht nur einen Eintrag findet, sondern auch eine Vorschau auf die jeweilige Webseite. Auch das haben wir allerdings schon gesehen, z.B. bei Alexa, einer Suchmaschine, die zur Amazon-Gruppe gehört.
Wirklich radikal neu ist hingegen der Ansatz von ChaCha. ChaCha ist mit USD 6,1 Mio. finanziert und setzt auf eine Unterstützung der Internetsuche durch Menschen, sogenannte Guides. Alternativ zur gewöhnlichen Internetsuche können Sie sich bei ChaCha unentgeltlich mit einem Guide verbinden lassen, mit dem Sie in einen Chat eintreten. Der Guide hilft Ihnen dann bei der Formulierung der Suchanfrage oder weist Sie auf Seiten im Internet hin, die diese Anfrage beantworten können. Die mehreren Tausend Guides, die für ChaCha arbeiten, sind für bestimmte Themen Experten und suchen sich aus den Anfragen, die sie erhalten, diejenigen heraus, die das Gebiet ihrer Expertise betreffen. Ich halte das für einen überzeugenden Ansatz, denn die Tatsache, dass Informationen durch das Internet heutzutage leicht verfügbar sind, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir nicht auf allen Gebieten Experten sind. Ein weiterer Vorteil ist die Kommunikation mit Menschen, da Menschen gerne mit Menschen kommunizieren, aber nicht mit Maschinen.
Denkt man den Ansatz von ChaCha konsequent fort, könnte daraus ein erstklassiges Businessmodell entstehen. ChaCha setzt zwar derzeit auch auf die klassische Finanzierung von Suchmaschinen durch Sponsored Links, aus dem Ansatz könnte sich allerdings auch ein entgeltlicher Dienst ähnlich einer Unternehmensberatung entwickeln, was natürlich hohe Anforderungen an die Qualifikation der Guides stellen würde. Für solch eine Informationsberatung könnte aber ein echter Bedarf bestehen.
Vielleicht aber ist die Zeit für solche Modelle noch nicht gekommen. Nutzer von Suchmaschinen haben sich in den letzten Jahren nun einmal daran gewöhnt, dass man Suchmaschinen mit wenigen, möglichst prägnanten Begriffen füttern muss, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Und so halte ich es für möglich, dass Google vielleicht am ehesten von Angeboten Konkurrenz bekommt, die Google ähnlich sind. Ask ist insofern ein aussichtsreicher Konkurrent, da Ask heute so ist, wie es Google einmal war: Sympathisch, offen, nicht übermächtig und auf die Suche im Web fokussiert.
Die Vielfalt des Angebots zeigt aber jedenfalls, dass es nicht immer Google sein muss. Ob Ask, Hakia, Snap oder ChaCha, es gibt eine Vielzahl guter Alternativen.
[Update vom 2.1.2007, 17:00 Uhr] David Eicher hat heute zu diesem Thema einen schönen, langen, reich bebilderten und sehr instruktiven Artikel im Brainwash-Blog geschrieben.
[Update vom 3.1.2007, 14:30 Uhr] Passt vielleicht nicht 100%ig, aber doch recht gut: John Battelle hat in seinem Blog heute eine Liste von 100 Suchmaschinen veröffentlicht, die eine Rolle spielen sollen.