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In den letzten Wochen war hier auf dem Svizzer-Blog viel über soziale Netzwerke im Allgemeinen und Web 2.0 und Social News im Besonderen zu lesen. Die Idee des sozialen Netzwerks ist faszinierend - vielleicht ist es der interessanteste Aspekt der sinnvollen Nutzung des Internets überhaupt.
Die Kritiker des Social Web, wie auch immer es sich definieren mag, teilen diese Einschätzung nicht. Zunehmend wird nicht nur die rücksichtslose Kommerzialisierung des Gedankens hinter dem “sozialen Netz” beklagt, sondern auch die Berechtigung der Hoffnung bestritten, dass das Zusammenwirken einer beliebig großen und sich beliebig zusammensetzenden Anzahl an Menschen überhaupt je zu sinnvollen Ergebnissen führen könne. Dieser Gedanke findet sich in jüngster Zeit vor allem auch in einflußreichen Blogs, die das beinahe schon inflationär gebrauchte Schlagwort von der “Weisheit der Massen” kritisch hinterfragen und teilweise bis überwiegend die Meinung vertreten, das Social Web führe allenfalls zu einer Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Benutzer und damit zwangsläufig zu einer Banalisierung der Inhalte sowie zu einer drastischen Herabsetzung des Niveaus eines jeden Austausches in den Gemeinschaften.
Beide Kritikpunkte haben durchaus ihre Berechtigung. Da sich die meisten Social Communities durch Werbung refinanzieren (oder das zumindest beabsichtigen) und ferner darauf angelegt sind, eine möglichst große Anzahl Menschen als Nutzer zu gewinnen, ist die Nutzung mancher dieser Dienste tatsächlich eine multimediale, suchmaschinenoptimierte und vollständig sinnentleerte Zumutung weit jenseits jeglicher Grenze des guten Geschmacks.
Um so erfreulicher ist es, von kleinen und leisen Vorhaben rund um soziale Netzwerke zu lesen, von schmalen Budgets, von werbefreien Zonen im Internet und von dem heute eher seltenen Ziel, die Zahl der Benutzer nicht ins Unermeßliche anwachsen zu lassen.
Shapeshifters ist so ein seltenes Beispiel. Shapeshifters ist eine Businessplattform, die anders als z.B. Xing nach dem Closed-Shop-Prinzip funktioniert: Zum Netzwerk zugelassen werden nur Menschen, die von anderen Mitgliedern empfohlen werden. Auf diese Weise, schrieb brand eins in ihrer Dezemberausgabe 2006, “entstehe ein weltweites Netz von Leuten, die Wirtschaft ähnlich denken: kleinteilig, authentisch und wertebasiert.”
Hinter Shapeshifters steht Erich Pöttschacher, der im Unterschied zu den Betreibern der meisten modernen Internetforen nicht versucht, wahllos viele Menschen anzusprechen. Kontakte bei Shapeshifters sollen vielmehr zielorientiert sein und für die anderen Teilnehmer des Netzwerks einen realen Nutzen haben. Damit verträgt es sich nun einmal nicht, wenn man von den falschen Leuten überschwemmt wird, “von aggressiven Verkäufern, Abzockern und gelangweilten Nerds”, wie brandeins Pöttschacher zitierte.
Shapeshifters setzt auf präzise Recherche, lokale Netzwerke und Mundpropaganda. Ein vor zwei Jahren eingebrachtes Kapital von nur 100.000 Dollar wird dazu eingesetzt, die werbefreie Business-Plattform für sanfte Globalisierung behutsam und qualitätsorientiert zu vergrößern, um dann in “20 Jahren so etwas wie die Nachrichtenagentur Bloomberg für eine andere Form der Wirtschaft zu sein”. Das klingt sympathisch und richtig. Wir wünschen Shapeshifters bei der Erreichung dieser Ziele viel Glück und Erfolg.
Weiterführende Links zu Shapeshifters:
Webseite der Shapeshifters
Artikel in brand eins, Dezemberausgabe 2006
Artikel im Basic Thinking Blog von Robert Basic vom 6.12.2006
Interview mit Susanne Haider (Shapeshifters) im Interview-Blog am 24.1.2007
Artikel im Basic Thinking Blog von Robert Basic vom 26.1.2007
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