Wenn Sie Windows nutzen, kennen Sie das wahrscheinlich: Sie starten Ihren Rechner und nach einer Weile ist dann hoffentlich alles so, wie Sie es erwarten: Das Betriebssystem ist hochgefahren, Ihr Bildschirmhintergrund ist da, die Internetverbindung ist aufgebaut, Skype hat sich angemeldet und Ihr Desktop sieht aus wie immer. Alles wunderbar. Ab und zu, in der letzten Zeit allerdings eher häufiger, macht aber ein nettes gelbes Icon unten rechts in der SysTray auf sich aufmerksam, das Sie zum Update des einen oder anderen Programms auffordert. Dies geschieht mit der Meldung:
“Neue Updates sind verfügbar”
Diese Meldung gibt mir stets das gleiche Rätsel auf, auf dessen Lösung ich allerdings bis heute trotz intensiven Nachdenkens nicht gekommen bin: Warum spricht Microsoft in diesem Kontext immer von “neuen Updates”, denn “Updates” sind ja per Definition bereits Softwareaktualisierungen und der Begriff der “Aktualisierung” impliziert doch gerade, dass die betreffende Software damit “auf den neuesten Stand gebracht” wird. Eine Software aber auf einen noch neueren als auf den neuesten Stand zu bringen, das schafft niemand, Microsoft schon gar nicht noch nicht einmal Microsoft.
Für dieses Phänomen gibt es aus meiner Sicht mehrere plausible Erklärungen:
Es könnte sein, dass Microsoft den Einsatz rhetorischer Stilmittel liebt und eine ganz besondere Vorliebe für den Pleonasmus bzw. die Tautologie entwickelt hat. Da Microsoft sich nicht getraut, dem Benutzer zu vermelden: “Sie haben eine tote Leiche” oder ersatzweise: “Frau Merkel ist die erste weibliche Bundeskanzlerin”, denn das wäre zu politisch, muß eben das “neue Update” herhalten. Da ich allerdings vermute, dass der Text “neue Updates sind verfügbar” nicht unbedingt der Feder eines Linguisten entsprungen ist, halte ich diese Deutung für eher unzutreffend.
Linux-User könnten nun mutmaßen, dass der durchschnittliche Windows-Anwender nur mäßig mit Intelligenz gesegnet und daher nicht in der Lage sein dürfte, den Begriff des “Updates” intellektuell richtig einzuordnen. Daher könnte es vielleicht auch sein, dass der Windows-User an sich eines zusätzlichen Stimulus, nämlich den der attraktiven “Neuheit” eines Updates bedarf, um ihn zur Durchführung der von Microsoft gewünschten Aktion, das Klicken auf den Update-Button, zu veranlassen. Wie wir aber alle wissen, ist die Auffassung, wir Windows-User seien geistig minderbemittelt, nur ein Vorurteil, dessen Zweck sich darin erschöpft, Freitagsdikussionen im Heise-Forum abwechslungsreicher, kommunikativer und lustiger zu gestalten. Der Grund für das “neue Update” von Microsoft muß also ein anderer sein.
Vielleicht hat das “neue Update” seinen Ursprung tatsächlich in der Aktualisierungspolitik von Microsoft und damit durchaus seine Berechtigung: Wenn man sich die gleichermaßen an Tradition wie Pannen reiche Patch-Historie von Microsoft einmal genauer betrachtet, dann kommt man um die Feststellung nicht umhin, dass zahlreiche Updates von Microsoft ja bereits am Tag ihres Erscheinens wieder veraltet sind, Lücken aufweisen oder gar die Sicherheit des jeweiligen Rechners gefährden, so dass sie daher unverzüglich wieder ausgetauscht upgedatet werden. Ja, und wenn man “Updates updated”, dann hat wir was? Genau! Ein “neues Update”.
Ich befürchte aber, dass auch dieser Erklärungsversuch das Phänomen des “neuen Updates” nicht zu erfassen vermag, da ich Microsoft dieses selbstironische Moment nicht zutraue. Der wohl wahrscheinlichste Grund für den mich stets auf’s Neue irritierenden Pleonasmus dürfte wohl sein, dass verdammt noch mal kein Schwein bei Microsoft je darüber nachgedacht hat, was für einen Quatsch er da schreibt, wenn er von “neuen Updates” faselt. So. Das mußte mal gesagt werden. Und jetzt installiere ich endlich dieses “neue Update”, damit diese sinnlose Meldung aus meinem Blickfeld verschwindet.