Svizzer Blog


Goethe 2.0
3. September 2006, 2:28
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Diese Woche hat sich so wenig ereignet in der Welt der Suchmaschinen, dass wir uns einmal den Wochenrückblick sparen, um statt dessen von Google Books zu berichten.

Google Books ist prinzipiell eine tolle Erfindung, die dadurch noch viel besser wird, dass Google nun begonnen hat Bücher, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen, zu scannen und im Volltext zu veröffentlichen. Der Zugang zu klassischer Literatur wird dadurch wesentlich erleichtert. Google bewirbt das Angebot deswegen auch konsequent mit dem Slogan „Download the Classics„.

Google tritt mit Google Books das digitale Erbe der populären Reclam-Heftchen an, von denen wohl jeder deutsche Schüler während seiner Schulzeit zumindest einmal eines in der Hand hatte, Studenten der Literaturwissenschaften auch mehrere.

Bis es so weit ist, dass Google wirklich alle Klassiker im Angebot hat, dürfte es indes noch ein wenig dauern. Ein Beispiel: Man mag zu Goethe stehen, wie man will, aber er dürfte der bedeutendste deutsche Dichter sein und er hatte unbestritten auch auf die Weltliteratur sehr grossen Einfluss. Versuchen Sie einmal, Die Italienische Reise bei Google Books zu finden. Das wird Ihnen vermutlich nicht gelingen. Wenn Sie das Werk online suchen, beim Gutenberg Projekt finden Sie es übrigens.

Ein anderes Beispiel: Lessing ist auch zu den ganz Grossen der Weltliteratur zu zählen, aber keines seiner Werke wird als „Google Books Klassiker“ geführt.

Zurück zu Goethe und einem letzten Beispiel: Die „Leiden des jungen Werthers“ findet man zwar nicht auf deutsch, dafür aber auf englisch, wie übrigens die meisten anderen Klassiker auch. Dagegen ist nichts einzuwenden, immerhin ist Google ja ein amerikanisches Unternehmen.

Wovon in diesem Kontext aber dringend abzuraten ist, ist ein Ratschlag, den ich in den Kommentaren zu Michael Arrington’s Erwähnung von Google Books auf TechCrunch gefunden habe und der lautet, man möge doch Texte, die nicht in der jeweils präferierten Sprache vorliegen, kurzerhand mit Google übersetzen lassen. Was dabei an Unsinn herauskommt, zeigt die Übersetzung der Zusammenfassung des Inhalts der „Leiden des jungen Werthers“ vom englischen ins deutsche.

Das soll nun keineswegs als Kritik an Google missverstanden werden: Google Books ist ein lobenswerter und erwähnenswerter Service, der aber auch zugleich eine der wichtigsten Herausforderungen aufzeigt, die wir künftig zu lösen haben. Amerika und die englische Sprache dominieren die digitale Welt so sehr, dass die Wahrnehmung kultureller Besonderheiten zunehmend schwieriger fällt. Mit anderen Worten: Wollen wir Goethe künftig wirklich nur mehr auf englisch lesen?

Wir sind der Überzeugung, dass die europäische Kultur so viele interessante und erhaltenswerte Ausprägungen hat, die es zu erhalten und fördern gilt. Es wird spannend zu sehen, ob Google das schafft.

Goethe Zwo Punkt Null


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